Brauche ich eine neue Heizung oder ist sie noch gut?

Mein Schornsteinfeger teilt mir mit das die Werte meiner älteren Heizung noch sehr gut sind, mein Heizungsfachmann rät zum Heizungsaustausch. Wer hat denn nun recht?

 

Wahrscheinlich beide.

 

Der Schornsteinfeger führt eine Abgasmessung an der Heizungsanlage durch. Hauptkriterien sind hier die Vollkommenheit der Verbrennung (möglichst rußfrei bzw. mit geringem CO-Anteil) und die Verbrennungsqualität (möglichst energieeffizient). Hierbei wird der sogenannte Abgasverlust ermittelt, welcher aussagt wieviel Prozent des eingesetzten Brennstoffes bereits unmittelbar nach der Verbrennung ungenutzt entweichen.


Der Abgasverlust ist aber nur ein Verlustfaktor in einer Reihe: Außer bei der Verbrennung entstehen noch weitere Verluste, z.B. durch Abkühlung des Heizkessels außerhalb der Brennphasen (Stillstandsverlust) oder einfach aufgrund geringer oder fehlender Wärmedämmung am Heizkessel. Speziell über 20 Jahre alte Heizkessel hatten an der Front und an der Rückseite fast gar keine Wärmedämmung. Weiterhin können auch große Wärmemengen durch fehlende oder zu dünne Wärmeisolierung der Rohrleitungen verloren gehen.

 

In den letzten 20 Jahren hat der Wärmebedarf für ein Gebäude (aufgrund nachträglicher Modernisierungsmassnahmen und/oder milderen Klimas) stetig abgenommen. Der vorhandene alte Heizkessel konnte sich aber nicht mit anpassen, so das er jetzt eventuell mit seiner Leistung ausreichen würde, um ihren Nachbarn gleich mit zu beheizen.

 

Der Heizungsfachmann spricht von "Überdimensionierung" und versucht das Problem abzumildern, indem er den Brennstoffdurchsatz am Brenner reduziert, den Heizkessel also an der Untergrenze seiner möglichen Leistung betreibt. Leider ändert das an der Geometrie des Kessels nichts: Die Grösse, Form und Länge der Heizgaszüge hat der Konstrukteur vor 20 Jahren festgelegt und musste diese auf die Maximalleistung des Kessels auslegen - die Abgasgasmenge musste ja auch durchpassen. Jetzt wo der Heizkessel aufgrund seiner Überdimensionierung und der reduzierten Brennstoffmenge eine viel geringere Abgasmenge durchlassen muss, sind diese Heizgaszüge viel zu gross und entlassen die heißen Abgase viel zu schnell in den Schornstein.

 

Eventuell stehen sogar in einem alten Öl-Heizkessel hunderte Liter warmes Wasser hinter einer völlig unzureichenden Wärmeisolierung und warten darauf, das ihre Wärmemenge von den Heizkörpern in den Wohnräumen abgenommen wird, bevor die teure Energie komplett in den Keller abgegeben wurde (oder durch die viel zu grossen Heizgaszüge die Wärme vom Schornstein über Dach gesaugt wird).

 

Diese Dinge fliessen in die Abgasmessung des Schornsteinfegers gar nicht mit ein. So kommt es öfter zu der paradoxen Situation, das ein Heizkessel zwar den gesetzlich vorgeschriebenen Abgasverlust- Grenzwert nicht nur einhält, sondern öfter auch noch "locker" unterbietet, weshalb der Schornsteinfeger ihm gute Verbrennungswerte bescheinigt. Dennoch kann gerade dieser Heizkessel der grösste Energiefresser im Haus sein.

 

Grundsätzlich ist jeder Heizkessel, egal ob öl- oder gasbefeuert, der älter ist als 15 Jahre bereits ein Kandidat für den Kesselaustausch. Ein moderner Heizkessel schlägt ihn problemlos in den Bereichen Abgasverlust, Stillstandsverluste und Verbrennungseffizienz. Außerdem ist er dem tatsächlichen Wärmebedarf Ihres Gebäudes angemessen.

 

Ob der Austausch für Sie persönlich sinnvoll ist, lässt sich nicht so einfach sagen: letztlich möchte Jeder, der sein Geld investiert auch einen persönlichen Nutzen erlangen. Die Rechnung geht finanziell umso schneller auf, je größer Ihr Jahresbrennstoffverbrauch ist und je schlechter der vom Schornsteinfeger bescheinigte Abgasverlust ist. Gleiches gilt, wenn Reparaturen an der betagten Heizungsanlage anstehen. Auch wenn der Brennstoff immer teurer wird, rechnet sich die Modernisierung umso schneller.