Früher hui - heute pfui

Baurechtliche Vorschriften sind nicht starr, sondern unterliegen ständigen Veränder- ungen. So kann es sein, das Dinge die Sie vor vielen Jahren in Ihr Haus eingebaut bekamen, heute gar nicht mehr zulässig sind.
Manchmal hat das nur mehr formale Gründe (wenn z.B. ein Produkthersteller seine Produktzulassung nicht mehr erneuert hat, weil er längst ein Nachfolgeprodukt hat). Oft liegt es aber daran das ein Produkt einfach zu viele Nachteile hat oder den inzwischen geänderten Anforderungen an die Brand- und Betriebssicherheit nicht mehr genügt.

 

Häufig wird dann der Bestandsschutz beschworen. Diesen gibt es in der Form aber bei Schornsteinen und Abgasanlagen gar nicht - so muß z.B. mit Austausch einer Heizung der Schornsteinfeger immer unter Berücksichtung der aktuell gültigen Vorschriften die gesamte Abgasanlage (das heisst den ganzen "Schornstein" mit allen daran angeschlossenen Geräten) daraufhin beurteilen, das sie baulich in einem einwandfreien Zustand und für die angeschlossenen Feuerstätten geeignet ist.

 

Hier beginnen vor allem im städtischen Bereich oft die Probleme, wenn solche Asbestzementrohre ins Spiel kommen:

 

Diese vier- oder rechteckigen Rohre hatte man vor etlichen Jahren tausendfach als "Schornstein" für Gasheizungen verwendet.

 

Manchmal wurden sie so wie hier im Bild am linken Rand zu sehen außen an einer Gebäudekante hoch geführt, mit Eisenbändern befestigt und über Dach mit einer kleinen Abdeckplatte abgedeckt.

 

Noch viel häufiger wurden diese Asbestzementrohre innerhalb des Hauses hoch geführt.

Auch hier ohne Ummauerung frei - zumeist in einer Raumecke, manchmal auch nur kurz oberhalb der Regenrinne direkt senkrecht durch das Dach.

Was meinte das damalige Baurecht dazu? Ich habe in den alten Unterlagen der damaligen Feuerungsverordnung und der alten Landes- bauordnung keine konkrete Regelung gefun- den.

 

Eine konkrete Regelung findet man erst in einer längst überholten DIN Norm:

DIN 18160 Teil 1 "Hausschornsteine - Anforderungen, Planung und Ausführung" vom Februar 1987. Hierin stand unter Absatz 3.14:

Zitat

 


Schornsteine mit begrenzter Temperaturbeständigkeit sind Schornsteine, die nur gegen Abgas von Gasfeuerstätten mit Abgastemperaturen von nicht mehr als 350°C widerstandsfähig sind, also nicht widerstandsfähig sind gegen Rußbrände im Innern eines Schornsteines.
Anmerkung: Diese Schornsteine gelten als Schornsteine aus neuen Baustoffen oder Bauteilen und als Schornsteine neuer Bauart; siehe Anmerkung zu Abschnitt 1.
Diese Schornsteine sind ausschliesslich für Gasfeuerstätten mit Brennern ohne Gebläse, einer Nennwärmeleistung von nicht mehr als 30kw und einer Abgastemperatur von nicht mehr als 300°C bestimmt.

Zitatende

 

Damals?
Damals war das also ein erlaubter "Schornstein" ausschliesslich zum Anschluß von Gasfeuerstätten, in der Regel von wandhängenden Gas-Etagenheizungen mit oder ohne Warmwasserbereitung (deren Nennwärmeleistung war normalerweise unterhalb 30kw/h)

 

Und heute?
Der Knackpunkt des Asbestzementrohres ist, das es selbst zwar nicht brennbar ist, aber andererseits auch keinerlei Feuerwiderstandsklasse aufweist; das heisst überspitzt:

Bei einem Brand in einem Raum, durch den dieses AZ-Rohr führt, hält dieses AZ-Rohr das Feuer 0 Minuten auf, bevor der Brand durch das AZ-Rohr in die umliegenden Räume/Etagen gelangt.

 

Das ist mit heutigen Bestimmungen unvereinbar, da hier bei fast allen baulichen Einrichtungen, die Geschosse überbrücken, eine Mindestfeuerwiderstandsdauer von 30Minuten (F30/L30/EI30) gefordert wird. So gesehen taugt das AZ-Rohr nicht einmal als Aufnahmeschacht für die Kunststoff-Abgasleitung einer modernen Brennwert-Gasheizung, weil auch dieser momentan noch mindestens L30 verlangt.

Verläuft das AZ-Rohr nicht durch das Gebäude sondern außen an einer nicht brennbaren Außenwand entlang, ergibt sich das Problem Feuerwiderstand nicht so sehr, da hier in der Regel die Hauswand die nötig Feuerwiderstandsdauer erbringt.

Allerdings hat man dann in erheblich verschärfter Form das Problem, das durch Auskühlung Abgaskondensation droht und dauerhaft eindringende Feuchtigkeit das AZ-Rohr aufweicht wie eine alte Pappe. Dies Problem besteht generell beim Anschluss von modernen Gasfeuerstätten an ein AZ-Rohr.

 

Und es kommt noch dicker:
Da das AZ-Rohr unter Anderem aus festgebundenem Asbest besteht, muß es zwar gemäß Gefahrstoffverordnung Asbest erst einmal nicht entfernt werden, da ohne mechanische Beanspruchung kein Asbest frei wird - aber:

 

a) Es dürfen keine Arbeiten (bohren, schleifen, schneiden etc.) an einem solchen AZ-Rohr durchgeführt werden.

b) Dient es als "Schornstein" darf es nicht im Rahmen einer normalen Kehrung gereinigt werden, da durch den mechanischen Abrieb auch Asbestteilchen frei werden können.

 

Was mache ich denn nun, wenn ich an so einem AZ-Rohr eine Gasheizung habe, die erneuert werden muß?

 

Vor allem sprechen Sie vor Austausch des Gerätes mit Ihrem zuständigen Bezirks- schornsteinfegermeister. Oft ist es auch sinnvoll wenn der beauftragte Heizungs- fachmann sich einmal zusammen mit "Ihrem Schornsteinfeger" bei Ihnen vor Ort trifft und man gemeinsam nach Lösungen sucht.

 

Bei solchen alten Asbest-Zementrohren ist die beste Lösung:
Komplett darauf verzichten!

 

Da das leider nicht immer geht, ist es ganz wichtig das sich alle Beteiligten vorher auf eine Lösung verständigen.

 

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