Brennwert-Abgasleitungen (1)

Moderne Brennwert-Gasheizungen haben eine Abgasleitung aus Kunststoff mit einem Durchmesser von ca. 6-8cm, welche wie ein Auspuff funktioniert. Diese Leitung wird üblicherweise in einem bestehenden Schornstein verlegt. Dazu wird unten im Schacht ein Auflageschiene angebracht, auf der die Leitung lagert.


Hier hat man stattdessen die Leitung unten im Schacht mit Montageschaum festgeklebt. (Das Foto zeigt einen Blick vom Keller aufwärts im Schacht eines oval ausbetonierten Schornsteines).


Diese "Ausführungsart" wird nicht lange Bestand haben: selbst wenn Kunststoff relativ leicht ist, lagern auf der "Klebestelle" 13 Meter davon. Erschwerend kommt noch hinzu, das die Gasheizung ihre zur Verbrennung nötige Luft aus dem Zwischenraum zwischen Kunststoffleitung und ausbetoniertem Schacht vom Dach her herunter saugen soll. Da der Schacht mit Montageschaum grosszügig abgedichtet wurde ist dies unmöglich.

 

 

Wieder die Abgasleitung einer modernen Brennwert-Gasheizung, wieder der Stützbogen unten. Der Blick geht vom Keller im Schornstein aufwärts.


Im Schacht befindet sich ein rundes Edelstahlrohr der vorigen Heizung, in welches die Kunststoff-Abgasleitung hinein verlegt wurde.
Darunter eine selbst gefertigte Stütze aus einem Blechstück und mehreren Stücken Gewindestange samt Verbindern.


Baut man die "Stütze" aus, sieht man, das der Schacht unten mit Mauerwerks- und scharfkantigen Blechteilen verschlossen ist. Auf diesen lagert die Abgasleitung - die "Stütze" ist nur Kosmetik. Außerdem erkennt man nun am herabrinnenden Kondenswasser:


Die Abgasleitung hat bereits Schaden genommen und ist nicht mehr dicht.

 

Brennwert-Abgasleitungen (2)

Der untere Teil der Abgasleitung von Brennwert-Gasheizungen ist sehr häufig mängelbehaftet.


Dabei ist gerade hier korrekte Montage wichtig, weil die Abgasleitung hier ihr Auflager hat, von dem der gesamte senkrechte Teil gehalten wird.

In diesem Fall ist die Auflageschiene vorhanden, aber links mit ihrem Metalldorn aus dem Bohrloch gerutscht und in den Schacht gesackt. Schön zu sehen: Der weisse Zapfen unten, mit dem der Kniebogen der Abgasleitung in die Auflageschiene einrasten soll.

 

Drei weitere Bilder mit derselben Problematik:


Auf diesen Bildern ist die Auflageschiene unter dem Stützbogen gar nicht erst eingebaut worden.


Die Abgasleitung hängt mehr oder minder frei, meistens wird das Gewicht dann vom Kniebogen dort aufgenommen, wo dieser seitlich durch die Schornsteinwand führt.


Bestenfalls führt das mit der Zeit dazu, das sich der Kniebogen oder der waagrechte Teil der Abgasleitung nach unten verlagert. Dadurch bildet sich eine "Wassersenke" durch das herablaufende Abgaskondensat im Kniebogen, welche den Weg für das Abgas teilweise verlegt. Dies zwingt den Ventilator in der Brennwertheizung, "dagegen zu halten" und mit maximaler Leistung zu arbeiten. Eine Störabschaltung der Anlage ist in absehbarer Zeit zu erwarten. Außerdem wird der Ventilator ungebührlich belastet.


Im ungünstigeren Fall trennt sich die Verbindung der einzelnen Elemente der Abgasleitung und Kondensat sowie Abgas dringen ins Mauerwerk ein und führen zu massiven Feuchte- und Schimmelschäden.


Langfristig wird eine nicht fachgerecht montierte Abgasleitung Probleme verursachen - eventuell sogar erst nach Ablauf der Gewährleistungsfrist des installierenden Fachunternehmers. Hierbei wird auch häufig das Ausdehnungsverhalten der Kunststoff-Abgasleitungen unter Temperatureinfluss unterschätzt: Die Längenveränderung beträgt bei entsprechend langen Leitungen mehrere Zentimeter. Sind die Leitungen dann nicht vorschriftgemäß so eingebaut, das sie unten dauerhaft stabil gründen und sich nach oben im Schacht aber zentrisch frei bewegen können ist der Schadensfall programmiert.

 

Brennwert-Abgasleitungen (3)

Da die starre Abgasleitung ähnlich wie ein Abflussrohr aus einzelnen gesteckten Teilstücken besteht, kommt es auch immer wieder vor, das diese sich trennt.
Häufig geschieht dies, wenn die Längsbeweglichkeit irgendwo eingeschränkt ist: Die Kraft der Längenausdehnung der Erwärmung schiebt die Abgasleitung noch hoch, aber bei der folgenden Abkühlung und Schrumpfung sackt diese nicht zurück sondern sie wird aus den Muffenverbindungen gezogen.

(Blick vom Dach in eine Abgasleitung, die sich im oberen Bereich komplett getrennt hat).

 

Auch öfters passiert es, das Dichtungen in den Muffenstücken eingeklemmt oder abgeschert werden, wodurch die Abgasleitung nicht mehr abdichtet. Im Gegensatz zu einem Abflussrohr wird die Abgasleitung durch den Ventilator der Brennwert-Heizung unter Überdruck betrieben, ähnlich wie ein Auspuff.
Dies führt dazu, das bei schadhaften Dichtungen durch den Druck das Abgaskondensat aus der Abgasleitung gedrückt wird. Massive Feuchteschäden im umgebenden Mauerwerk und eventuelle Schimmelbildung sind die Folge.

(Blick von Dach in eine Abgasleitung mit eingeklemmter und teilweise abgedrückter Dichtung)

 

Brennwert-Abgasleitungen (4)

Außer den bisher beschriebenen starren Abgasleitungen gibt es auch noch flexible Leitungen. Diese kann man sich ungefähr wie einen dünnen Wäschetrocknerschlauch vorstellen, nur aus stabilerem Material. Bei diesen Leitungen liegt die Hauptverankerung nicht unten sondern oben. Die Leitung wird in einer speziellen Haube über Dach verankert und hängt dann zentrisch frei im Schacht, geführt von einigen Abstandhaltern.
Wie auf dem Bild zu sehen fehlt die Befestigung, die Leitung ist bereits in den Schacht gerutscht.


Dies führt dazu, das Abgas zusammen mit dem Abgaskondensat in den Schacht eindringt und dort zu Feuchteschäden und Schimmelbildung führt. Da der Schacht häufig auch gleichzeitig die Luftversorgung der Heizung ist, wird in dem Fall auch noch mit Abgas angereicherte Luft zurück in die Feuerstätte geführt, was die Verbrennungswerte negativ beeinflusst und zu Schäden an der Feuerstätte führen kann.

 

Auch auf diesen beiden Bildern ist die Abgasleitung oben gar nicht in der Haube befestigt und in den Schacht gerutscht.


Zusätzlich wurde wie im ersten Bild zu sehen, der Schacht noch völlig abgedichtet, indem man den Zwischenraum oben mit Glaswolle ausgestopft hat.


Dies ist in keinem Fall zulässig, da der Schacht innen immer belüftet bleiben muß, damit evtl. austretendes Abgas oder Kondensat abgelüftet werden kann.


Saugt die Feuerstätte ihre Verbrennungsluft vom Dach im Schacht herunter, ("Gegenstromprinzip"), so wird damit automatisch auch der Schacht von oben nach unten belüftet.
Wenn die Feuerstätte ihre Luft direkt aus dem Raum entnimmt muß der Schacht unten eine Lufteintrittsöffnung aufweisen, damit er über den natürlichen Auftrieb im Schacht von unten nach oben belüftet wird ("Gleichstromprinzip" - das Abgas bewegt sich in der gleichen Strömungsrichtung wie die Schachtlüftung).